Oktober 2008

Liebe Gemeinde!
Der Herbst ist ja eine zweigeteilte Jahreszeit: Zum einen erfreuen uns im Oktober oft die schönen Herbstfarben, die der Welt ein ganz besonderes Leuchten geben, zum anderen erinnern uns die Nebelschwaden und die verregneten Tage des November an die eigene Vergänglichkeit.
So ist es nicht verwunderlich, dass der November als der „Totenmonat“ gilt: Zu keiner anderen Zeit des Jahres räumen wir dem Tod einen solchen Raum ein. Da ist die Friedensdekade, die uns an das weltweite Sterben in Folge von Hunger und Krieg erinnert, da ist der Volkstrauertag an dem wir der Opfern der Gewalt gedenken und schließlich der Toten- oder Ewigkeitssonntag, an dem der Toten aus unserer Gemeinde gedacht wird.
Der Tod ist also immer wieder präsent in dieser Zeit. Damit sind zugleich auch immer schmerzhaft die Menschen präsent, die uns der Tod bereits entrissen hat. Darüber hinaus erfolgt immer auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen, endlichen Leben. Was kommt wohl danach? Kommt überhaupt etwas danach? Diese Fragen treiben in dieser Zeit viele Men-schen um. Unser christlicher Glaube spricht sehr eindeutig davon, dass danach etwas kommt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ sagt Jesus Christus von sich selbst und verspricht uns damit ein Leben, das mit dem Tod eben gerade nicht endet. Das „dass“ ist also ein zentraler Be-standteil des christlichen Glaubens. Das „was“ wird allerdings mit großer Zurückhaltung behandelt. Es gibt nur sehr wenige Aussagen darüber, was danach kommt: Nur wenige Bilder werden uns an die Hand gegeben.
Dabei wird immer darauf hingewiesen, dass es Bilder sind: Was auf uns zukommt, wenn unser irdisches Leben zu Ende ist, das ist nicht wirklich vorstellbar. Das ist letztlich die Aussage der Bibel. Das einzige, was gesagt wird ist, dass auf diejenigen, die auf Jesus Christus vertrauen ein Leben wartet, das mit Begriffen wie Geborgenheit, Liebe, Wärme und Wohlbefinden nur unzureichend beschrieben werden kann.
Ich denke, es ist gut so, dass die Bibel hier so zurückhaltend ist. Ich glaube nämlich, dass jeder Mensche seine eigene Vorstellung davon hat, was ein neues Leben in Gottes Gegenwart bedeuten kann. Mein Bild für den Tod ist immer wieder das eines Gartentores, das vielleicht so ähnlich ist wie das Tor auf der ersten Seite unserer UKZ: Ein Tor, das in einen wunderbaren Garten führt, dessen Aussehen mir aber hier noch verborgen ist. Ich wünsche uns allen, dass wir bei den vielen Gedenktagen dieses Herbstes Ermutigung erfahren. Ermutigung die ihren letzten Grund in der Jahres-losung hat: „Jesus Christus spricht: ich lebe, und ihr sollt auch leben.“

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