Oktober 2007

Liebe Gemeinde!
Frieden ist etwas, was sich alle Menschen wünschen. Warum ist es dann oft so schwer, im Frieden miteinander zu leben? Eine der Ursachen des Unfriedens ist sicherlich die Unterschiedlichkeit von uns Menschen.

Besonders deutlich wird dies immer dort, wo Menschen unterschiedlicher Kulturen aufeinander treffen: Tagtäglich erleben wir dies hier bei uns in Kelsterbach: Schließlich sind wir eine Kommune, die
den höchsten Anteil von Menschen nicht-deutscher Herkunft in Hessen hat. Besonders im Gebiet unserer Gemeinde leben sehr viele Menschen aus anderen Kulturkreisen und mit anderer Religion.

Da entstehen aus Unkenntnis und Verunsicherung schnell Vorurteile und Verdächtigungen: „die“ wollen sich nicht anpassen, „die“ lernen unsere Sprache nicht, und, und, und. Und immer ist ja auch etwas dran, an den Aussagen: Natürlich gibt es Menschen, die sich ganz und gar abschotten, und natürlich gibt es nicht wenige, die – auch nach 20 und mehr Jahren hier in Deutschland – noch immer sehr schlecht Deutsch sprechen. Aber es gibt auch viele, bei denen es anders ist – die allerdings werden nicht so schnell mit „die“ bezeichnet und verallgemeinert.

Wenn ich so manches Mal höre, wie unfreundlich über Menschen aus anderen Ländern gesprochen wird, bin ich immer wieder überrascht, wie friedlich das Zusammenleben hier bei uns im großen und ganzen ist. Vielleicht tragen ja auch wir als Friedensgemeinde dazu bei, dass der Frieden zwischen den Kulturen sich mehr und mehr festigt: Durch die Begegnungen, die wir in unserer Kita haben, durch die Jungschararbeit, die offen ist für alle, durch die Kontakte mit der türkisch-islamischen Moscheegemeinde und nicht zuletzt auch dadurch, dass wir seit dem 11.09.2001 Donnerstag für Donnerstag um 19 Uhr für den Frieden beten.

Mein Traum jedenfalls ist es, dass unsere Gemeinde ein Ort ist, an dem etwas von Gottes Shalom, dem großen Frieden, erfahrbar wird. Mit allem, was dazu gehört: Mit Streit und Auseinandersetzung um den richtigen Weg zum Frieden, aber auch mit Begegnungen und Augenblicken, in denen etwas von Christus spürbar wird, von dem es in der Bibel heißt, dass er unser Friede sei.

Vielleicht kann ja auch die diesjährige Friedenswoche, die unter dem Motto steht „andere achten“ dazu beitragen. Wir jedenfalls beteiligen uns an ihr mit einem „Bittgottesdienst für den Frieden“ am 18.11.

Ich wünsche Ihnen einen von Frieden erfüllten Herbst.

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