Der Papst in Deutschland

Jetzt ist er wieder weg, der Papst. Welche Spuren sein Besuch wohl hinterlassen hat? Für mich sind es Spuren der Enttäuschung: Keine neuen Impulse in der Ökumene, nichts Neues zu den großen Themen (Frauenordination, gemeinsames Abendmahl, Umgang mit Geschiedenen, Homosexualität). Aber - das war auch nicht zu erwarten. Wer das bisherige Reden und Handeln Benedikt XVI. verfolgt hat, der und die weiß, dass hier eher Rückschritte für all diese Dinge zu erwarten sind, als Fortschritte.

Warum nur müssen unsere evangelischen Kirchenführer/innen dem Papst so devot, fast unterwürfig begegnen? Ich fand die ganze Veranstaltung in Wittenberg eher peinlich. Dass der etwas Positives zu Luther sagt - warum soll uns Evangelische das eigentlich beeindrucken? Sind wir etwa neuerdings vom Urteil eines Papstes abhängig?

Warum sind wir überhaupt an Benedikt XVI. interessiert? Ich vermute, dass so manche und mancher unserer Kirchenoberen heimlich ein wenig neidisch auf ihn sind. Wer hat bei uns schon so viel Macht? Niemand! Und das ist auch gut so!

Bei uns, den Erben der Reformation Luthers, Calvins und Zwinglis käme jeder, der Treue gegenüber einem Menschen oder einer bestimmten Kirche als ein zentrales Thema des christlichen Glaubens einforderte (wie es der Papst an seinem letzten Tag tat) in den berechtigten Verdacht, einem Irrglauben aufgesessen zu sein.

Im Zentrum des christlichen Glaubens steht Jesus Christus - und keine Kirche, keine Person, keine Institution! Ihm allein haben wir treu zu sein, er allein ist der Maßstab für das, was bei uns gelten soll.

Und dass der Maßstab Christi oft genug anders ist als der der Gesellschaft, das macht die Bibel deutlich.

Als Protestanten sollten wir die Konsequenzen dessen in der Fordergrund stellen, was unseren Glauben an Jesus Christus ausmacht: Die Einladung an alle Menschen, sich von Gott lieben zu lassen, ungeachtet ihrer Lebenssituation. Die Einladung, selbst zu denken und dem eigenen Gewissen zu folgen, das allein Gott gegenüber verantwortlich ist und keinem Papst oder Bischof.