Bericht aus Berlin
Seit Anfang Mai wohne ich nun nicht mehr in Kelsterbach. Nach meinem Schulabschluss habe ich den Entschluss gefasst, nach Berlin zu ziehen, um einerseits das Leben in der wohl kulturell interessantesten Stadt Deutschlands genießen zu können, andererseits aber auch Erfahrungen zu sammeln, die ich während der Schulzeit nicht machen konnte.
Ursprünglich plante ich für ein freiwilliges soziales Jahr nach Kairo zu reisen und in einer deutschen Schule als Betreuer zu arbeiten. Da ich jedoch nicht die benötigten Qualifikationen besaß - es werden ausschließlich Interessenten mit abgeschlossenem Studium angenommen - orientierte ich mich um und kam auf die Deutsch-Arabische Gesellschaft.
Dabei war ich mir zunächst nicht im Klaren darüber, wie meine Zeit in der Berliner Geschäftsstelle aussehen wird. Ich hatte noch nie in einem Büro gearbeitet, hatte noch nie PR-Texte für etwas größeres, als für eine Schulveranstaltung verfasst und hatte noch nie an einem einzigen Tag über 400 Briefe geschrieben. Und doch lebte ich mich in meine Rolle als Angestellter sehr schnell ein, woran die herzliche und hilfsbereite Art meiner Chefin einen großen Anteil hatte.
In der Zwischenzeit haben wir bereits Podiumsdiskussionen, ein Sommerfest, eine Wirtschaftstagung und unzählige kleine Konferenzen organisiert und dabei viele Menschen aus Deutschland und vielen arabischen Staaten kennen gelernt. Denn genau das ist das zentrale Anliegen: Deutschland und die arabische Welt sollen mehr von einander wissen, miteinander ins Gespräch kommen und sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede austauschen, weil man nur so gemeinsam leben kann. Gemeinsam heißt hier sowohl Deutsche mit Arabern im Nahen Osten, als auch mit Arabern in Deutschland, die wir herzlich dazu einladen, sich in unserer Organisation einzubringen.
Der Austausch funktioniert dabei sowohl in Form politischer Diskurse, kultureller Angebote und auch wirtschaftlicher Beziehungen, die beiden Seiten helfen, nicht vorschnell über einander zu urteilen. Denn sei es die Auseinandersetzung mit politischen Sanktionen, die doch meist nur die einfache Zivilbevölkerung leiden lassen, oder die Debatte um die Einführung islamischen Religionsunterrichtes, so lässt einen die fortwährende Beschäftigung mit der Region und den hier lebenden Menschen manches vorschnelle Urteil überdenken, bzw. regt auch die arabische Seite zu einem Umdenken an.
An diesem Punkt möchte ich an die Veranstaltungen erinnern, welche unsere Gemeinde zusammen mit der muslimischen Gemeinde angeboten hat und die in diesem Jahr gemeinsam mit anderen Religionsgemeinschaften durchgeführt wurde und auf reges Interesse gestoßen sind. Solch ein Projekt ist unverzichtbare Basisarbeit für gegenseitiges Verständnis, das man in jedem Falle weiter betreiben sollte.
Viele Grüße aus Berlin
Nils Metzger